Wohnmobiltour in Deutschland
Veröffentlicht von Herbert Vollmers in Reisen · Samstag 12 Jul 2025 · 7:30
Tags: Wohnmobil, Tour, Deutschland, Genusstour
Tags: Wohnmobil, Tour, Deutschland, Genusstour
Eine Wohnmobil-Tour durch Deutschland? Da waren wir doch schon! Langweilig! Alles gesehen! Was wollt ihr da?
Wie im Intro schon geschrieben, hat uns ein Buch über "Campingplätze für Genießer" zu dieser Fahrt inspiriert. Vorab: ein wenig blauäugig bin ich schon an die Planung gegangen. Viele der Orte, die beschrieben wurden, haben entweder an den Wochentagen oder -zeiten, an denen wir anreisten, geschlossen oder hatten lange Wartezeiten bzw. konnten spontan nicht gebucht werden. So gibt es in der Nähe von Willingen ein Besucherbergwerk mit dem Angebot eines Candle-Light-Dinners unter Tage. War nur auf ein Jahr im Voraus ausgebucht. Genauso das Dinner im Gefängnis Bollesje in Rüdesheim. Aber nun zu den Dingen, die besser funktioniert haben:
Zuerst ging es Richtung Steinhuder Meer, mit einem nahegelegenen Blaubeer-Hof. Was soll ich sagen: Blaubeeren in allen Variationen. Nach der Blaubeer-Torte zum Kaffee dann in den Hofladen. Dort gab es einen Gin aus Wacholder und Blaubeeren der Sorte "Herbert". So hieß auch der Gin, der dann sofort in unseren Proviant übernommen wurde. Weiter ging es zum Steinhuder Meer auf den gleichnamigen Campingplatz. Sehr gepflegt, sehr ordentlich, einer der besseren Plätze. Beim Rundgang durch Steinhude staunten wir über die touristische Vielfalt (wir haben sechs Eisdielen gezählt) und freuten uns abends über ein leckeres Fischessen sowie einen Absacker an einer Beach-Bar mit Blick auf den See.
Die Radtour am nächsten Tag haben wir regenbedingt gestrichen und sind stattdessen nach Höxter im Weser-Bergland gefahren. Zum einen lockte die schöne Altstadt, das nahegelegene Kloster Corvey und ein Treffen mit einem alten Freund. Durch diesen Zwischenstopp haben wir die Fahrzeit zum nächsten Ziel, Willingen im Sauerland, verkürzt.
In Willingen waren wir zunächst auf den Wohnmobil-Stellplatz nahe dem Hotel Sauerland-Stern gefahren und haben uns über den Trubel gewundert. Unsere Camping-Nachbarn haben uns dann aufgeklärt: am nächsten Tag fand auf einer benachbarten Wiese ein 90er-Jahre-open-air statt. Überall wurde sich schon auf dieses Ereignis eingestimmt, die ganze Stadt war eine einzige Party-Meile. So auch auf dem Stellplatz, wo einige Camper schon einmal die Belastungsgrenzen ihrer Boom-Boxen erprobten. Wir haben daher den Nachmittag genutzt, um die Skiflugschanze zu besichtigen und den neuen Skywalk, mit 665 m Länge eine der längsten der Welt, zu überqueren. Schwindelfreiheit ist nicht von Nachteil, insgesamt ist es aber schon ein tolles Erlebnis. Wieder zurück in der Stadt haben wir die Innenstadt erkundet, ein netter Einwohner hat mir den Zugang zu seinem Garten für ein besseres Foto vom Viadukt angeboten und abschließend sind wir in die Kirche zum Essen (Don Camillo) gegangen. Auf dem Weg zu einem Berghotel nahe dem Tierpark für einen Absacker haben wir auf halbem Weg wieder kehrt gemacht: auch von dort waren die üblich verdächtigen Ballermann-Schlager zu hören.
Die Nacht war dann wider Erwarten doch recht ruhig, sodass wir am nächsten Morgen ausgeruht in Richtung Westerwald fahren konnten. Unser Ziel dort war der Campingplatz Haus am See, genauer am Dreifelder Weiher. Ein sehr schön gelegener Platz direkt am See, auch von Einheimischen zur Abkühlung an diesem heißen Tag genutzt. Wir haben unsere Fahrräder geschnappt und sie für eine Tour um den See genutzt. Nach dem Trubel des Vortages für uns genau das Richtige.
Weiter ging es dann am nächsten Tag in das Weindorf Eltville-Erbach auf den Stellplatz am Weinhof Martin. Ein übersichtlicher Stellplatz insbesondere für die Gäste, die nach der Verkostung in der Vinothek nicht mehr weiter reisen wollen. Da an dem Tag die Vinothek geschlossen war (hm), haben wir zu Fuß die Stadt und den Rhein erkundet. Sehr sehenswerte Altstadt mit einer gut erhaltenen kurfürstlichen Burg. Gut vertreten war hier auch die Sektkellerei Rotkäppchen, die Matheus Müller (MM) übernommen haben. Am nächsten Morgen konnten wir in der Vinothek des Weinhof Martin unsere Weinvorräte ergänzen, sodass wir für die weiteren Etappen gut vorbereitet waren.
Die nächste Tour fiel sehr kurz aus; wir fuhren in den Nachbarort Rüdesheim am Rhein, auf den Campingplatz am Rhein. In Rüdesheim bestimmt der Wein das Geschehen. Nach den Besuchen der Altstadt mit der Drosselgasse und einer Fahrt mit der Niederwald-Seilbahn, die uns oben einen tollen Blick über den Rhein bescherte, nutzten auch wir eine der Strandbars. Mit Blick auf den Rhein in einem bequemen Strandstuhl zu sitzen, ein Glas Wein trinken und mal nix tun. Herrlich.
Am nächsten Tag ging es dann in das die unterfränkische Ortschaft Oberthulba in der Rhön. Wir fuhren in das Naturcamp Thulba, das seinen Besuchern einen tollen, etwas alternativ angehauchten Waldcampingplatz bietet. Benachbart konnte man sich auf dem See mit Wake-Boarding versuchen, wir aber haben uns auf der Terrasse des Brauhaus am See niedergelassen und haben das Treiben beobachtet.
Nun ging es in die kleine Ortschaft Eisenheim am Main. Dort hat die Familie Hirn ein Weingut gemeinsam mit Friedensreich Hundertwasser konzipiert und nach dessen Tod fertiggestellt. Sehr sehenswert, ebenso wie die kleine, historische Stadt Volkach, die wir von Eisenheim mit dem Fahrrad besuchten. Im Ort Fahr mittels Fähre über den Main, entlang der Mainschleife nach Volkach und dort erstmal in die nächste Eisdiele. Wer macht schon Fahrradtouren bei ca. 38 Grad. Zurück in Eisenheim auf dem Weingut haben wir eine kleine Weinprobe in der Vinothek mitgemacht und unseren Bordvorrat ergänzt. Der Stellplatz befand sich auch hier, aus gutem Grund, direkt auf dem Hof des Weingutes.
Unsere Tourplanung führte uns nun in die Wagner-Stadt Bayreuth. Wir nutzten einen städtischen Stellplatz, der für unsere Zwecke völlig ausreichend war. Von dort sind wir entlang des roten Main in die Innenstadt gegangen. Eine sehr schöne Altstadt und Fußgängerzone, in der Richard Wagner überall präsent war. Die Innenstadt wurde für das ab dem Wochenende startende Bürgerfest vorbereitet, dadurch waren dann einige Gebäude durch Bühnen verdeckt. Na ja, dafür gibt es Photoshop. Das nächste Ziel in der Stadt war die Maisel's & friends Erlebnisbrauerei. Nach der Pflichttour durch die museale Brauerei wurde es natürlich auch Zeit für eine Stärkung nach Maisel's-Art. Besuch lohnt sich.
Vom Main ging es dann an die Elbe. Wir fuhren zum Campingplatz Rehbocktal in der Nähe von Meißen. Superfreundlicher Empfang, ein toller Platz, sehr gepflegt. Per Fahrrad ging es nach Meißen, die Räder wurden geparkt und die Stadt zu Fuß erkundet. Bisher waren wir nur im 20 km entfernten Dresden gewesen, aber Meißen muss sich nicht verstecken. Die Altstadt, der Domplatz mit der Albrechtsburg, der Marktplatz und natürlich auch die Porzellanmanufaktur: sehr sehenswert.
Bevor es zum nächsten Ziel ging, ein kleiner Abstecher. Ein Microsoft-Wallpaper hatte mich fasziniert und so wollte ich unbedingt auch die Rakotzbrücke im Rhododendron-Park Kromlau fotografieren. Gesagt, getan. Nachdem die üblichen Japaner reihenweise ihre Selfies gemacht haben, konnte ich auch ein paar Aufnahmen machen. Also, Tagesordnung erledigt.
Weiter ging es dann nach Lübben im Spreewald. Hier hatten wir zwei Nächte vorgesehen, leider hatten wir den Stellplatz nicht vorher gesehen. Der Platz okay, das drumherum eher industrietechnische Brache. Na ja, wer's mag. Dafür hat uns eine Radtour nach Schlepzig durch eine wunderbare Landschaft mit zahlreichen Teichen und Seen entschädigt. In Schlepzig dann die Spreewälder Privatbrauerei und der Stork Club, eine auf Rye-Whiskey spezialisierte Whisky-Destillerie. Alles direkt an Kanälen bzw. an der Hauptspree, sehr sehenswert. Am zweiten Tag dann Stadtbesichtigung Lübben mit der Altstadt und der Schlossinsel und natürlich: Kahn fahren. Eine dreistündige, sehr entspannende und informative Fahrt durch die Kanäle und auf der Spree mit einer Einkehr im Gasthaus Lehnigksberg. Abschließend dann zum Abendessen in den Dodge City Saloon. Sehr kurios, sehr sehenswert.
Das letzte Ziel auf dieser Tour war dann Magdeburg. Der Stellplatz am Winterhafen sehr voll, sehr gepflegt, auch voll automatisiert, ein idealer Platz mit Blick über die Elbe auf Magdeburg. Die Stadt haben wir zu Fuß erkundet. Besonders erwähnenswert sind die Grüne Zitadelle nach Entwürfen von Friedensreich Hundertwasser, der Dom und die Altstadt. Ein beliebtes Fotomotiv ist die stillgelegte Hubbrücke über die Elbe mit dem Panorama von Magdeburg von der östlichen Elbseite. Unser abendlicher Ausflug in den Elbauenpark mit dem Jahrtausend-Turm und der Orangerie endete leider an verschlossenen Türen, Öffnung nur bis 18:00 Uhr. Hätte ich von einem Park nicht erwartet. Also zurück in die Altstadt, ein letztes Essen zum Abschluss unserer Tour im Gasthaus Wenzel. Bier gut, Essen medium.
Das war's.
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